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Tätigkeitsbericht 2019 des Arbeitsamtes

Der Tätigkeitsbericht zeigt zum einen die Arbeitsmarktentwicklung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf, zum anderen vermittelt er einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Aktivitäten des Arbeitsamtes.

Arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist 2019 im 5. Jahr in Folge  zurückgegangen (-3,3% im Vergleich zum Vorjahr) und beläuft sich im Jahresdurchschnitt 2019 auf 2.283 Personen. Dies entspricht einem Rückgang um 207 Personen im Jahresschnitt. Die Arbeitslosenrate belief sich insgesamt auf 6,2% (Vorjahr 6,5%).

Die Arbeitslosenrate der unter 25jährigen ist in der Deutschsprchigen Gemeinschaft mit 8,6% immer noch die niedrigste in ganz Belgien. Die Arbeitslosenrate der über 50jährigen liegt mit 7,0% ebenfalls unter dem belgischen Durchschnitt, ist aber in Flandern mit 6,1% noch etwas niedriger.

Problematisch bleibt nach wie vor die Situation der älteren Arbeitsuchenden: 38% der Arbeitslosen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind älter als 50 Jahre, 17% davon sogar über 60 Jahre. Dies stellt natürlich für die Arbeitsberater eine besondere Herausforderung dar, da auch die über 60jährigen mittlerweile dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen, wenn auch nur in „angepasster“ Form. Auch die Anteile der Nicht-EU-Bürger und derjenigen, die über ein ÖSHZ eingetragen sind, steigen von Jahr zu Jahr, so dass sich hier nach wie vor ein besonderer Handlungs­bedarf zeigt.

2019 wurden dem Arbeitsamt insgesamt 1.334 neue Stellenangebote zur aktiven Vermittlung mitgeteilt. Damit ist die Zahl der Angebote im Vergleich zum Vorjahr merklich gesunken (-11%), wobei 2018 allerdings auch das höchste erreichte Niveau seit Jahren war.

Der Großteil der Stellenangebote (70%) kamen von Betrieben und Einrichtungen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, 16% aus dem Ausland und 14% aus dem Landesinneren. Die meisten Stellen wurden aus dem Gesundheits- und Pflegesektor gemeldet, damit steht dieser Sektor zum ersten Mal überhaupt an der Spitze der Rangliste.

Die Besetzungsquote belief sich 2019 auf 61% (Vorjahr 66%). Dies bedeutet einen deutlichen Rückgang des Besetzungserfolgs, welcher sich quer durch praktisch alle Sektoren zieht - dies zeigt deutlich, dass der Fachkräftemangel sich nun auch in den Stellenvermittlungszahlen bemerkbar macht.

Betreuung der Arbeitsuchenden

Eine weitere Kernaufgabe des Arbeitsamtes ist Betreuung der Arbeitsuchenden, die in der Regel durch die Vereinbarung eines individuellen Aktionsplans konkretisiert wird. 2019 waren insgesamt rund 4.855 Personen zu betreuen (Vorjahr 5.099). Damit ist die Zahl der Neuzugänge gesunken, was der allgemeinen Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der DG entspricht. Und dies, obwohl ab 2014 das zu betreuende Publikum um immer weitere Altersgruppen erweitert wurde (2014 sind die 50-54jährigen, 2016 die 55-59jährigen und seit 2018 auch die 60-64jährigen hinzugekommen). Neu hinzugekommen sind seit 2019 außerdem noch die arbeitsuchenden Teilzeitbeschäftigten und die sogenannten „Arbeitslosen mit Betriebszuschlag“.

Neben der allgemeinen Betreuung liegt auch ein besonderes Augenmerk auf den speziali­sierten Betreuungs­angeboten für arbeitsmarktfernere Zielgruppen, etwa die über die ÖSHZ eingetragenen Personen oder Personen mit psychischen, medizinischen und/oder sozialen Problemen, die eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt kurzfristig unmöglich machen. Das 2016 begonnenes Pilotprojekt in Kelmis „Vermittlung wie aus einer Hand“ versucht hier neue Lösungswege aufzutun. Im Rahmen der Regierungserklärung von September 2019 wurde dann die „Vermittlung aus einer Hand“ als nächstes Ziel genannt, sprich die Ausweitung des Konzepts auf die gesamte DG und das Aufbrechen der institutionellen Trennung bei der Betreuung von Arbeitsuchenden.

Ein weiteres Projekt ist die "Unterstützte Beschäftigung". Das Konzept umfasst alle Hilfen, die für Menschen mit Vermittlungshemmnissen erforderlich sein können, um erfolgreich in einem Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes arbeiten zu können. Mehrere MitarbeiterInnen des Arbeitsamtes haben 2018 und 2019 an entsprechenden Ausbildungen teilgenommen, um dieses Konzept in der DG umsetzen zu können. Ende 2019 wurde beim Arbeitsamt eine zusätzliche Stelle in der Betreuung von schwer vermittelbaren Arbeitsuchenden ausgeschrieben, die seit 1. Januar 2020 besetzt ist. Somit sind jetzt die Voraussetzungen geschaffen, dass die Unterstützte Beschäftigung im Arbeitsamt umgesetzt werden kann.

Auch durch die Reform der Zielgruppenpolitik in der Deutschsprachigen Gemeinschaft seit 2019, d.h. die Reform der finanziellen Förderung der Einstellung gewisser Zielgruppen über AktiF und AktiF PLUS, erhofft man sich, noch gezielter die arbeitsmarktferneren Gruppen bei ihrer Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen zu können.

Ein weiteres Instrument sind die Lokalen Beschäftigungsagenturen (LBA), die im Zuge der 6. Staatsreform ins Arbeitsamt integriert worden sind. Das LBA-System ermöglicht es arbeitsmarktfernen Personen, einer Beschäftigung mit begrenztem Umfang nachzugehen. Betrachtet man das Profil der Personen, die im Laufe 2019 für eine LBA gearbeitet haben, stellt man fest, dass 74% älter als 50 Jahre waren, 25% sogar über 60 Jahre.

Berufliche Ausbildungen

Die Zahl der Ausbildungsteilnehmer variiert mit der Arbeitslosenzahl, der Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt und dem zur Verfügung stehenden Ausbildungsangebot. 2019 haben insgesamt 935 Arbeitsuchende an den verschiedenen Maßnahmen teilgenommen.

Die meisten Arbeitsuchenden - 428 Personen - haben an Qualifizierungsmaßnahmen der externen Partnerorganisationen des Arbeitsamtes in der DG teilgenommen

Insgesamt 106 Arbeitsuchende und 118 Beschäftigte haben 2019 eine Aus- oder Weiterbildung in einem Berufsbildungszentrum des Arbeitsamtes absolviert.

An das Zielpublikum der schwer vermittelbaren Arbeitslosen richtet sich das Angebot der Integrations- und Vorschaltmaßnahmen. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Aufarbeitung vermittlungshemmender Faktoren wie Sozialkompetenzen, Arbeitsverhalten, Motivation…

Berufsorientierung

Der Fachbereich der Berufsberatung und -orientierung investiert zunehmend in internetbasierte Dienstleistungen - darunter ein neues umfangreiches Angebot an online-Berufsbeschreibungen. Doch auch die klassische Einzelberatung hat nach wie vor eine große Bedeutung und wird nunmehr vermehrt vom psychologischen Dienst gewährleistet.

Die Berufsberatung leistet in Zusammenarbeit mit Kaleido, den Schulen, Eltern und anderen Beteiligten aktive Hilfestellung bei der Berufswahlvorbereitung: Sie organisiert eine Vielzahl von Klassenanimationen in den Schulen, hält Vorträge und nimmt an Informationsveranstaltungen teil. 

Kontrolle des Suchverhaltens

Der Kontrolldienst ist ein unabhängiger und neutraler Dienst, der direkt dem Geschäftsführenden Direktor untersteht. Er kontrolliert die Suchbemühungen und die Verfügbarkeit der Arbeitsuchenden nach den Vorgaben des föderalen normativen Rahmens und der vom Verwaltungsrat verabschiedeten Richtlinien.

Was die jugendlichen Arbeitsuchenden in der Berufseingliederungszeit betrifft, so ist die Zahl der Bewertungen 2019 auf knapp 550 angestiegen, auch wenn der Dienst aufgrund von Personalmangel nicht voll besetzt war. Nur 13% der Bewertungen fielen negativ aus, was der tiefste Wert seit der Kompetenzübernahme durch das Arbeitsamt 2016 war. 

2019 konnten insgesamt 396 Bewertungen von entschädigten Arbeitslosen bis 60 Jahre vorgenommen werden. Auch hier ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen.
Bei den entschädigten Arbeitsuchenden fielen 30% der Bewertungen negativ aus. Dieser Prozentsatz liegt deutlich tiefer als in den vorangegangenen Jahren, was auf die intensivere Betreuung - die wiederum durch die niedrigeren Arbeitslosenzahlen ermöglicht wurde - zurückgeführt wird.