Arbeitslosigkeit im Jahr 2019

Hier eine Übersicht über die Situation mit detaillierten Angaben bezüglich Alter, Dauer, Qualifikation, Sektoren.

In der Deutschsprachigen Gemeinschaft waren im Jahresschnitt 2019 rund 2.283 arbeitslose Arbeitsuchende (=Vollarbeitslose) gemeldet (Schnitt 2018: 2.360 Personen). Dabei handelt es sich um Personen, die ohne Beschäftigung sind, dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung stehen und aktiv eine Beschäftigung suchen. Davon erheben 69% Anspruch auf Arbeitslosengeld, die übrigen sind Personen, die (zumindest zeitweilig) keinen Anspruch auf Entschädigung haben.

Vollarbeitslose - Schnitt 2019

Männer

Frauen

Gesamt

in %

Vollarbeitslose

1.159

1.124

2.283

100%

Geschlechteranteil in %

51%

49%

100%

 

davon:

Arbeitsuchende Anwärter auf AL-Geld

808

758

1.566

68,6%

 

Schulabgänger in Berufseingliederungszeit

85

82

167

7,3%

 

Über ein ÖSHZ eingetragen

181

181

362

15,8%

 

Freiwillig eingetragene Arbeitslose

54  

88

141

6,2%

 

In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Arbeitslosengeldempfänger an den Arbeitsuchenden zurück-gegangen, während umgekehrt der Anteil der verpflichtend eingetragenen Personen (insbesondere der via ÖSHZ Eingetragenen) angestiegen ist. Der Rückgang bei den Arbeitslosengeldempfängern (auch in absoluter Zahl) beginnt Anfang 2015 und kann teilweise - aber nicht ausschließlich - auf Restriktionen in der Arbeitslosengesetzgebung zurückgeführt werden (Begrenzung des Berufseingliederungsgeldes auf 3 Jahre, Begrenzung des Zugangs zum Arbeitslosengeld für gewisse Gruppen).  Die Zunahme bei den OSHZ-Kunden hingegen ist mehr oder weniger kontinuierlich schon seit 2008 festzustellen.  Seit 2017 ist diese Zahl allerdings mehr oder weniger konstant geblieben.

Die Arbeitslosenrate (Anteil der Vollarbeitslosen an der aktiven Bevölkerung, gemäß der korrigierten Berechnung der DG) in der Deutschsprachigen Gemeinschaft belief sich auf 6,2% und ist damit erneut gesunken (Vorjahr 6,5%). Die Zahl der Arbeitslosen ist im Jahresdurchschnitt nochmals um 77 Personen zurückgegangen und somit nun im vierten Jahr in Folge rückläufig.                           

81% der Arbeitslosen wohnen im Kanton Eupen, wo die Arbeitslosenrate bei 8,5% liegt. Im Kanton St.Vith liegt sie sogar unter 3%. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit 2019 war proportional gesehen sogar noch etwas stärker im Süden Ostbelgiens (-32 Personen bzw. -7%) als im Norden (-45 Personen bzw. -2,4%).                                    

Der Frauenanteil an den Arbeitslosen in Ostbelgien ist in den letzten 20 Jahren fast kontinuierlich gesunken (zu Erinnerung: 1995 lag der Frauenanteil bei 62%, 2005 noch bei 57%) und liegt nun sogar geringfügig unter dem Männeranteil. Dies liegt v.a. daran, dass die Zahl der arbeitslosen Männer in Ostbelgien zwischen 2001 und 2014 - eine Zeit, die von mehreren Konjunktureinbrüchen geprägt war - deutlich stärker gestiegen war als diejenige der Frauen. Im Landesschnitt liegt der Frauenanteil an den Arbeitslosen fast unverändert bei 47,0% und damit nun schon seit mehreren Jahren unter der 50%-Marke.

Die Arbeitslosenrate der Frauen in der DG liegt mit 6,6% noch etwas über derjenigen der Männer (5,9%).

Vollarbeitslose nach Kanton

Männer

Frauen

Gesamt

in %

Kanton Eupen

934

918

1.885

81%

Kanton St.Vith

225

206

 431

19%

Deutschsprachige Gemeinschaft

1.159

1.124

 2.283

100%

51%

49%

100%

 

Aufteilung nach Altersgruppen und Dauer der Arbeitslosigkeit

Die Aufgliederung der Arbeitslosen nach Altersgruppen zeigt, dass mittlerweile 38% der Arbeitslosen älter als 50 Jahre sind. Verglichen mit dem Jahr 2001, als die Arbeitslosigkeit in Ostbelgien ihren bisherigen Tiefststand erreichte, hat sich die Zahl der über 50jährigen Arbeitslosen bis 2015 mehr als verfünffacht!

Vollarbeitslose nach Alter

Männer

Frauen

Gesamt

Anteil in %

<25 Jahre

177

159

336

15%

25 bis 29 Jahre

123

136

260

11%

30 bis 39 Jahre

225

234

459

20%

40 bis 49 Jahre

197

172

368

16%

>= 50 Jahre

437

423

860

38%

Gesamt

1.159

1.124

2.283

100%

 

Dies ist zum einen auf gesetzliche Anpassungen zurückzuführen (Anhebung der Altersgrenze für die Freistellung von der Arbeitsuche aus Altersgründen ab 2002 auf 58 Jahre, ab 2013 auf 60 Jahre und Abschaffung der Freistellung seit 2015) und zum anderen aber auch auf die demografische Verschiebung innerhalb der Erwerbsbevölkerung: die Zahl der 50-64-jährigen Erwerbspersonen insgesamt (aktive Bevölkerung) ist in Ostbelgien zwischen 2003 und 2017 ebenfalls stark gestiegen (+87%). Der Anteil der über 50jährigen an den Vollarbeitslosen ist seit 2001 von 12% auf 38% gestiegen, während der Anteil der Jugendlichen mit 15% recht deutlich gesunken ist.

Mittlerweile zeichnet sich aber auch bei den älteren Arbeitslosen eine leichte Trendwende ab, bzw. verschiebt sich die Altersgrenze noch weiter nach oben: seit 2016 ist ein - wenn auch noch nur schwacher - Rückgang bei den über 50-jährigen insgesamt festzustellen.  Lediglich die Zahl der über 60-jährigen Arbeitslosen steigt noch weiter an, während in der Altersgruppe 50-59 ein Rückgang vorliegt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen damit in allen Altersgruppen, mit Ausnahme der über 60-Jährigen, gesunken.

Arbeitslosenrate pro Altersgruppe

Männer

Frauen

Gesamt

< 25 Jahre

7,8%

9,6%

8,6%

25 - 49 Jahre

5,1%

5,6%

5,3%

50 - 64 Jahre

6,5%

7,6%

7,0%

Gesamt

5,9%

6,6%

6,2%

 

 

 

 

 

 

 

 

Betrachtet man die Arbeitslosenrate pro Altersgruppe (d.h. das Verhältnis zur aktiven Bevölkerung der jeweiligen Alters-gruppe, korrigierte Berechnung Stand 2016), stellt man fest, dass die Jugendarbeits­losenrate mit 8,6% zwar noch höher ist als in den anderen beiden Altersgruppen, aber sie ist jetzt fünf Jahre in Folge deutlich gesunken. Sie liegt mittlerweile auch deutlich unter dem flämischen Wert. Längerfristig gesehen hat die stärkste Entwicklung bei den über 50jährigen stattgefunden, wo die Arbeitslosenrate 2003 (alte Berechnnungsmethode) noch nur bei 3,8% gelegen hat und heute bei 7,0% liegt. 2019 ist die Arbeitslosenquote in allen Altersgruppen zurückgegangen.

Die Arbeitslosenquoten nach Altersgruppen sind in der Deutschsprachigen Gemeinschaft denjenigen in Flandern recht ähnlich, während in Brüssel und der Wallonie die Quoten in allen Altersgruppen, aber ganz besonders bei den Jugendlichen, bedeutend höher sind.

Was die Dauer der Arbeitslosigkeit betrifft, so waren rund 36% der Arbeitslosen im Schnitt weniger als 6 Monate arbeitslos und zählen damit zu den Kurzzeitarbeitslosen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (über 1 Jahr arbeitslos) ist 2019 im Vergleich zum Vorjahr um fast 7% gesunken. Allerdings ist darunter die Zahl der Personen, die seit mehr als 5 Jahren arbeitslos sind quasi gleich geblieben und mit 455 Personen so hoch wie nie zuvor. Anzahl und Anteil der Langzeitarbeitslosen (50%) liegen weiterhin deutlich höher als diejenigen der Kurzzeitarbeitslosen. Zum Vergleich: im Jahr 2001 war die Verteilung umgekehrt, d.h. 46% Kurzzeitarbeitslose und 37% Langzeitarbeitslose.

Die Struktur der Arbeitslosigkeit in Ostbelgien bleibt weiterhin insgesamt eher vergleichbar mit derjenigen in Flandern. So beträgt der Anteil der Personen, die weniger als 6 Monate lang arbeitslos sind, in Flandern 35%, in Wallonien hingegen nur 29%. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen (mindestens 1 Jahr lang arbeitslos) beläuft sich in der DG auf 50%, in Flandern auf 48% und in der Wallonie auf 56%.

 

Vollarbeitslose nach Dauer der Arbeitslosigkeit

Männer

Frauen

Gesamt

in %

< 6 Monate

417

402

819

35,9%

6-12 Monate

172

151

323

14,2%

1-2 Jahre

158

133

292

12,8%

2-5 Jahre

192

202

394

17,3%

> 5 Jahre

219

236

455

19,9%

Gesamt

1.159

1.175

2.283

100%

Aufteilung nach Qualifikation und Sektor                   

Die Qualifikationsstruktur der Arbeitslosen ist in den letzten Jahren recht konstant geblieben.  Der Rückgang der Arbeitslosenzahl der letzten fünf Jahre hat alle Ausbildungsniveaus fast gleichermaßen erfasst. Längerfristige Vergleiche sind nur bedingt möglich, da die Erfassung des Ausbildungsniveaus (insbesondere der sonstigen, meist ausländischen Ausbildungen) mehrfach geändert hat.

Der Anteil der unterqualifizierten Arbeitslosen (d.h. Personen, die höchstens über einen Primarschul­abschluss oder die Mittlere Reife bzw. die 2. Stufe des Sekundarschulunterrichtes verfügen) beläuft sich in der DG auf rund 43%, also ähnlich hoch wie in Flandern und Wallonie (jeweils 45%). Allerdings sind in der DG noch etwa 7% der Arbeitslosen in der Kategorie der sonstigen bzw. im Ausland erworbene Ausbildungen eingeordnet, die in der Wallonie und Flandern vernachlässigbar klein ist. Hierunter - meist handelt es sich um (Teil-) Ausbildungen im Sekundarschulbereich – dürfte ebenfalls noch ein gewisser Anteil an Unterqualifizierten zu finden sein.

Vollarbeitslose nach Ausbildung

Männer

Frauen

Gesamt

Anteil in %

Primarschule

249

190

438

19,2%

Sekund. Unterstufe

265

286

551

24,1%

Lehre

117

82

199

8,7%

Sekund. Oberstufe

282

338

620

27,1%

Hochschule / Uni

151

155

305

13,4%

Sonstige Ausb./Ausland

97

74

170

7,5%

Gesamt

1.159

1.124

2.283

100%

 

Bei den Berufsvorstellungen der Vollarbeitslosen stehen an erster Stelle die Arbeiter/Hilfsarbeiter (20%), Verkaufsberufe und Büroangestellte (14 bzw. 13%), gefolgt von den Reinigungskräften / Haushaltshilfen / Horeca-Personal (10%) sowie mit 6% die Gesundheits- und Pflegeberufe.

Hier treten deutliche Unterschiede nach Geschlecht zutage: Bei den Männern sind 31% der Arbeitslosen mit dem Berufswunsch Arbeiter/Hilfsarbeiter eingetragen und jeweils rund 7% als Büroangestellte, Fahrer, im Verkauf oder in metallverarbeitenden Berufen. Bei den Frauen stehen an erster Stelle die Verkäuferinnen und die Büroberufe (22 bzw. 19%), sowie die Reinigungskräfte/Haushaltshilfen und Horeca-Berufe (15%). Danach folgen die Gesundheits- und Pflegeberufe (10%) und Arbeiterin/Hilfsarbeiterin (8%).

Entwicklung

Nachdem die Arbeitslosigkeit 2001 ihren bisherigen Tiefststand in Ostbelgien erreicht hatte (1.462 Arbeitslose und eine Arbeitslosenquote von 4,8% im Jahresdurchschnitt), kletterte die Zahl der Arbeitslosen im Anschluss daran bis August 2006 auf fast 3.000 Personen. Durch den konjunkturellen Aufschwung in den Jahren 2007 und 2008 sank die Zahl der Arbeitslosen wiederum um jeweils rund 4% in beiden Jahren.                    

Ab September 2008 kehrte sich die Tendenz jedoch im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise wieder um: die Arbeitslosenzahlen stiegen an und erreichten im Schnitt 2014 – nach einer vorübergehenden leichten Erholung im Jahr 2011 – einen neuen Höchststand. Seitdem ist erfreulicherweise wieder ein Rückgang der Arbeitslosigkeit festzustellen. Infolgedessen sinkt die Arbeitslosenrate von 8,8% im Jahr 2014 auf 6,7% (bzw. 6,2% nach der korrigierten Berechnung) im Jahr 2018 und liegt weiter unter dem Vor-Krisenniveau von 2008 (7,4%).

Arbeitslose

Männer

Frauen

Gesamt

Vgl. zu 1990

Vgl. zum Vorjahr

1990

562

1.286

1.849

0%

 

1995

768

1.270

2.038

+10,3%

 

2000

578

911

1.489

-19,5%

 

2005

1.022

1.332

2.354

+27,3%

 

2008

1.083

1.330

2.413

+30,6%

-4,3%

2010

1.329

1.399

2.728

+47,5%

+3,2%

2011

1.272

1.406

2.678

+44,9%

-1,9%

2012

1.333

1.414

2.747

+48,6%

+2,6%

2013

1.424

1.452

2.876

+55,5%

+4,7%

2014

1.463

1.504

2.967

+60,5%

+3,2%

2015

1.407

1.405

2.812

+52,1%

-5,2%

2016

1.402

1.351

2.753

+48,9%

-2,1%

2017

1.304

1.263

2.567

+38,9%

-6,7%

2018

1.185

1.175

2.360

+27,7%

-8,1%

2019

1159

1.124

2.283

+23,5%

-3,3%

                                                                                                                                        

Betrachtet man den Stand des Jahres 2008 als „Vor-Krisenniveau“, so liegt die Arbeitslosenzahl in der Deutschsprachigen Gemeinschaft jetzt 5% darunter, ähnlich wie in Brüssel und in Belgien insgesamt. In Flandern liegt die Zahl noch 9% höher als damals, wogegen die Wallonie mit einem Minus von 17% unter dem - allerdings hohen - Niveau von 2008 liegt.

 

In den anderer Regionen des Landes ist die Arbeitslosenzahl 2019 im Schnitt ähnlich stark gesunken wie in Ostbelgien (-3,3%); der Rückgang betrug -2,6% in der Wallonie, -2,4% in Brüssel und -5,7% in Flandern. Im landesweiten Durchschnitt liegt ein Rückgang um -3,8% vor.

Die Arbeitslosenrate in Ostbelgien ist im Schnitt 2019 weiterhin höher als in Flandern (6,0%), bleibt aber auch deutlich unter dem Niveau der Wallonie (ohne DG 12,9%) und der Region Brüssel-Hauptstadt (16,8%).