Aktuelles

Neue Regeln für die Beschäftigungsförderung

Neue Beschäftigungsförderung ab dem 1. Januar 2019

AktiF und AktiF Plus ist das neue Beschäftigungsprogramm der Deutschsprachigen Gemein­schaft, das ab 2019 in Kraft treten wird.

Prioritäres Ziel ist es, die Arbeitslosigkeit in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu bekämpfen und die Beschäftigung zu steigern.

Durch die AktiF- oder AktiF Plus-Zuschüsse werden Arbeitgeber finanziell unterstützt, wenn sie Personen einstellen, die auf unserem Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Diese neue Beschäftigungsförderung stellt eine bedeutende Vereinfachung im „Urwald“ der zahlreichen Beschäftigungsmaßnahmen dar.

1. Wer sind AktiF- oder AktiF Plus-Berechtigte?

Folgende Zielgruppen sind AktiF-Berechtigte und geben dem Arbeitgeber Anrecht auf einen AktiF-Zuschuss:

  1. Jugendliche bis zum Alter von 25 Jahren, ohne Abitur oder Gesellenzeugnis,
  2. Jugendliche bis zum Alter von 25 Jahren mit Abitur oder Gesellenzeugnis, die seit mindestens 6 Monaten arbeitslos sind;
  3. Ältere Arbeitsuchende ab 50 Jahre, die ihre letzte Arbeitsstelle unfreiwillig verloren haben;
  4. Langzeitarbeitsuchende, das bedeutet Personen, die seit mindestens 12 Monaten als nichtbeschäftigter Arbeitsuchende beim Arbeitsamt eingetragen sind;
  5. Opfer von Umstrukturierungen, Konkursen, Schließungen u.Ä.

Folgende Zielgruppen sind AktiF Plus-Berechtigte und geben dem Arbeitgeber Anrecht auf einen AktiF Plus-Zuschuss:

Nichtbeschäftigte Arbeitsuchende, die mindestens 2 der folgenden Vermittlungshemmnisse aufweisen:

  • Eine verminderte Arbeitsfähigkeit;
  • Mindestens 24 Monate Arbeitslosigkeit;
  • Kein Abitur oder Gesellenzeugnis besitzen;
  • Weder Deutsch- noch Französischkenntnisse haben ( < Niveau B1).

Alle AktiF- oder AktiF Plus-Berechtigten müssen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnhaft sein, als nichtbeschäftigte Arbeitsuchende beim Arbeitsamt eingetragen sein, nicht der Schulpflicht unterliegen und nicht das gesetzliche Pensionsalter erreicht haben.

2. Wer kann Arbeitgeber sein?

Alle Arbeitgeber mit Niederlassungseinheit in Belgien können die AktiF- oder AktiF Plus- Beschäftigungsförderung nutzen. D.h. kommerzielle, nicht kommerzielle Arbeitgeber und öffentliche Behörden können von dieser Beschäftigungsmaßnahme profitieren.

Ausgeschlossen sind Leiharbeitsvermittler im Falle von Leiharbeitsverträgen.

3. Der AktiF- und AktiF-Plus-Zuschuss

Folgende Beträge werden als Zuschuss gewâhrt:

AktiF-Zuschuss

  • Jahr 1: 6.000 € (12 x 500€)
  • Jahr 2: 3.600 € (12 x 300€ )

AktiF Plus-Zuschuss

  • Jahr 1: 12.000 € (12 x 1000€)
  • Jahr 2: 7.200 € (12 x 600€)
  • Jahr 3: 3.600 € (12 x 300€)

4. Vorteilhafterer AktiF- und AktiF Plus- Zuschuss bei vorheriger Ausbildung

Wenn der Arbeitgeber den AktiF- oder AktiF Plus-Berechtigten im Vorfeld in einer bestimmten Ausbildung ausbildet, kann er von vorteilhafteren Zuschüssen profitieren.

Dies gilt bei folgenden Ausbildungsmaßnahmen:

  • Individuellen Berufsausbildung im Betrieb (IBU)
  • Einstiegspraktikum (EPU)
  • Ausbildung im Betrieb (AIB)
  • Lehre
  • Industrielehre

In diesen Fällen kann der Arbeitgeber von folgenden AktiF- oder AktiF Plus-Zuschüssen

profitieren:

AktiF-Zuschuss

  • Jahr 1: 6.000 € (12 x 500€)
  • Jahr 2: 6.000 € (statt 3.600 €)
    (12 x 500 € statt 12 x 300 €)

AktiFPlus-Zuschuss

  • Jahr 1: 12.000 € (12 x 1.000€)
  • Jahr 2: 12.000 (statt 7.200 €)
    (12 x 1.000 € statt 12 x 600 €)
  • Jahr 3: 7.200 (statt 3.600 €)
    (12 x 600 € statt 12 x 300 €)

5. Für VoG, Behörden und lokale Behörden…

… mit Sitz im deutschen Sprachgebiet gibt es weitere Möglichkeiten wie beim bisherigen BVA-System. VoG und lokale Behörden können eine besondere, sprich höhere und längere Förderung beantragen. Diese Einrichtungen übernehmen nämlich wichtige Aufgaben in verschiedenen Zuständigkeitsbereichen der Deutschsprachigen Gemeinschaft. (Ausgeschlossen sind die Krankenhäuser)

Zu diesem Zweck können VoG und Behörden projektgebundene Stellen bei der Regierung beantragen. Bei Genehmigung erhalten die Antragsteller einen Beschluss zur Gewährung von Projektstellen für eine verlängerbare Dauer von höchstens 5 Jahren.

Die lokalen Behörden erhalten eine Konvention. Diese legt das Budget fest, über das die lokale Behörde verfügt, um AktiF- oder AktiF Plus-Berechtigte einzustellen. Die Konvention mit der Regierung wird für eine verlängerbare Dauer von höchstens 5 Jahren abgeschlossen.

Die Zuschussbeträge

AktiF-Zuschuss

  • Jahr 1: 12.000 € (12 x 1.000€)
  • Jahr 2-5: 11.000 € (12 x 917€)

AktiFPlus-Zuschuss

  • Jahr 1: 22.000€ (12 x 1.833€)
  • Jahr 2-5: 21.000€ (12 x 1.750€)

Weiterführende Informationen erhalten Sie beim Ministerium.

6. Welche Beschäftigungsmaßnahmen laufen zum 1. Januar 2019 aus? Welche bleiben?

Im Sinne einer Vereinfachung zugunsten der Arbeitgeber und Arbeitsuchenden, hebt das Dekret zur AktiF und AktiF Plus-Beschäftigungsförderung zahlreiche Beschäftigungsmaßnahmen auf.

Welche Beschäftigungsmaßnahmen laufen zum 1. Januar 2019 aus?

  • BVA bei VoG, öffentlichen Behörden und lokalen Behörden;
  • Plan Aktiva und „Aktiva Start“ inklusive verschiedene LSS-Reduzierungen;
  • SINE-Programm inklusive LSS-Reduzierungen;
  • Jugendbeschäftigungsprogramm („Emploi jeune-Bonus jeune non-marchand“-Stellen)
  • Erstbeschäftigungsabkommen;
  • Beschäftigungsprämie für ältere Arbeitnehmer im gewerblichen Privatsektor;
  • Diverse Reduzierungen der LSS-Arbeitgeberlasten wie z.B. „Erstbeschäftigungsabkommen“ („Convention premier emploi“), Opfer von Umstrukturierungsmaßnahmen, ….

Für diese Maßnahmen wird der Zugang zum 1. Januar 2019 gesperrt!

ABER Achtung! Im Sinne der Beschäftigungssicherung werden die Stellen weiterhin nach den aktuellen Regeltexten gefördert, deren Arbeitsvertrag spätestens zum 31. Dezember 2018 gestartet ist.

Welche Beschäftigungs- und Ausbildungsmaßnahmen bleiben bestehen?

  • Beschäftigungsmaßnahme der ÖSHZ in Anwendung des Artikels 60 §7 des Grundlagengesetzes vom 8. Juli 1976 über die öffentlichen Sozialhilfezentren;
  • Tutoratsunterstützung in Anwendung des Artikels 61 des Grundlagengesetzes vom 8. Juli 1976 über die öffentlichen Sozialhilfezentren;
  • Finanziell geförderte „Partnerschaftskonventionen“, die für Empfänger des Eingliederungseinkommens oder der gleichgestellten Sozialhilfe abgeschlossen werden können;
  • LSS-Reduzierungen für Tutoren;
  • LSS-Reduzierungen für Künstler;
  • LSS-Reduzierungen für Kinderbetreuer;
  • LSS-Reduzierungen für Hausangestellte;
  • Ausbildungsunterstützung im Rahmen der „Individuellen Berufsausbildung im Betrieb (IBU);
  • Praktikumsunterstützung im Rahmen des Einstiegspraktikum.

7. Welche Beschäftigungsmaßnahme wird angepasst?

Die LSS-Reduzierung für ältere Beschäftigte, von denen insbesondere Arbeitgeber des kommerziellen und einige des nicht-kommerziellen Sektors profitieren, bleibt bestehen. Sie wird jedoch zum 1.1.2019 angepasst.

Die LSS-Reduzierung gestaltet sich ab 1. Januar 2019 folgendermaßen:

Alter Reduzierungen
LSS / Quartal
Reduzierungen
LSS /Quartal
ab 1. Januar 2019
54 400 € /
55 400 € 300 €
56 400 € 400 €
57 400 € 400 €
58 1.000 € 400 €
59 1.000 € 1.000
60 1.000 € 1.000
61 1.000 € 1.000
62 1.500 € 1.500 €
63 1.500 € 1.500 €
64 1.500 € 1.500 €
65 800 € 1.500 €

 

* Für diese Altersgruppen sind Übergangsbestimmungen vorgesehen. Das bedeutet, dass die Älteren, die bereits im letzten Quartal 2018 von den alten „Reduzierungsbeträgen“ profitierten, diese auch nach Inkrafttreten der Anpassungen zum 01.01.2019 für sie angewendet werden.

Der Bruttolohn darf, wie bisher, nicht 13.942,47 € pro Trimester übersteigen.