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Lehrabbruch - Studienabbruch

Aller Anfang ist schwer: Laufen lernen, fallen lernen

Die ersten Schritte sind immer wackelig. Ob im Babyalter oder im neuen Lebensabschnitt. Doch zum Laufen gehört auch Stolpern und manchmal leider auch der Fall.

Die folgenden Zeilen sind absolut nicht als Entschuldigung für Faulheit und Lustlosigkeit zu verstehen. Sie sollten nur wissen, dass Sie nicht die Einzigen sind, die mit einer schwierigen Situation fertig werden müssen. Und hier werden Wege aufgezeigt, die aus einem Engpass führen können.

Nicht immer läuft alles so glatt, wie man es sich am Anfang vorstellt. Doch wenn sich die Erwartungen aller Beteiligten über längere Zeit nicht erfüllen, ist die Entscheidung zum Abbruch notwendig, um die nächsten Schritte in Angriff zu nehmen und sich neu zu orientieren.

Die Gründe für den Abbruch können vielfältiger Natur sein: Der Jugendliche stellt fest, dass er für den gewählten Beruf oder das gewählte Studium nicht geeignet ist, das Interesse nachlässt, private Probleme entstehen, es zu Differenzen am Arbeitsplatz oder am Studienort kommt usw.

Nicht selten betrachten der Jugendliche und seine direkte Umgebung den Abbruch als eigenes Versagen. Häufig wird der Blick einseitig auf den Jugendlichen als Abbrecher gerichtet, die Einflussfaktoren dadurch von vornherein zu seinen Lasten eingeschränkt.

Ein Abbruch ist in den wenigsten Fällen ein einfaches Unterfangen. Bevor er die Entscheidung trifft abzubrechen, liegt auf dem Jugendlichen meist eine tonnenschwere Last. Zum einen müssen es schwerwiegende Gründe sein, die ihn zu diesem Schritt bewegen. Das muss verarbeitet werden. Zum anderen steht er vor einem Berg ungeklärter Fragen: Wie soll es weitergehen? Wie reagieren die Eltern?

Auch für Eltern keine schöne Situation 

Gerade in dieser Zeit brauchen Jugendliche Eltern, auf die sie sich verlassen können, die verständnisvoll reagieren, aber auch neuen Mut machen. Wer sich selbst über die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, aber auch Alternativen informiert, kann seinem Kind mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auch bei den Eltern ist nicht immer alles nach Plan verlaufen, es wurden Niederlagen und Enttäuschungen eingesteckt. Deshalb nützt es nichts Vorwürfe zu machen, besser ist es, gemeinsam mit den Jugendlichen nach einer Lösung zu suchen.

Lehrabbruch

In der Deutschsprachigen Gemeinschaft erfolgen die häufigsten Vertragsauflösungen im ersten Lehrjahr. Mit zunehmender Lehrdauer halbiert sich jedoch die Anzahl der Vertragsbrüche. Im Schuljahr 2015-2016 wurden 51 vorzeitige Vertragsauflösungen im 1. Lehrjahr registriert; im zweiten Lehrjahr waren es noch 31 und im dritten Jahr kam es nur noch in 10 Fällen zu einem vorzeitigen Vertragsende.

Demnach werden gut 17% der neuen Lehrverträge im ersten Lehrjahr wieder aufgelöst, allerdings häufig in Verbindung mit einem Berufswechsel (falsche Vorstellungen von den realen Anforderungen oder Tätigkeiten in einem bestimmten Ausbildungsberuf oder -betrieb) oder Rückkehr zur Schule (falsche Vorstellungen von den Anforderungen in der Lehre im Allgemeinen).

Die Vertragsbrüche erfolgen meist während der gesetzlich festgelegten Probezeit. Während dieser Probezeit kann der Lehrvertrag auch ohne Nennung von schwerwiegenden Gründen einseitig aufgelöst werden. Der Lehrling entdeckt erstmals den Betrieb und den Beruf, der Meister muss feststellen, ob der Lehrling zum Betrieb passt und den gestellten Anforderungen gerecht werden kann.

Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass die Anzahl der Vertragsbrüche sich während der halbjährlichen Prüfungsperioden häuft (Stand 2016).

Einige Ratschläge:

  • Dem Jugendlichen helfen, sich nicht hängen zu lassen, aktiv zu bleiben, Unterstützung und Gesprächspartner zu suchen
  • Den Jugendlichen dazu ermuntern, selbst herauszufinden, was er tun will
  • Mit dem Lehrlingssekretariat und eventuell der Berufsberatung Kontakt aufnehmen
  • Das Berufsinformationszentrum aufsuchen, um sich zu informieren
  • Wenn der Jugendliche noch im schulpflichtigen Alter ist: Umgehend entweder eine neue Lehrstelle suchen oder die Rückkehr zur Schule in die Wege leiten
  • Wenn der Jugendliche über 18 Jahre alt ist: sich beim Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft als Arbeitsuchender eintragen

Studienabbruch

Auch ein Studienabbruch wirft Probleme auf und sollte daher reiflich überlegt und vorab mit verschiedenen Bezugspersonen, etwa dem Studienberater der Hochschule oder Universität besprochen werden.

Einige Ratschläge:

  • Dem Jugendlichen helfen, sich nicht hängen zu lassen, aktiv zu bleiben, Unterstützung und Gesprächspartner zu suchen
  • Der Jugendliche sollte sich einer Situationsanalyse unterziehen und u.a. folgende Fragen beantworten: Warum habe ich gerade dieses Studium gewählt? Was machte mich zufrieden und was unzufrieden? Erkenne ich Grenzen (Motivation, Leistung, Arbeitsorganisation…)? Was interessiert mich heute? Welche Kenntnisse und Fähigkeiten habe ich erworben? Welche Alternativen habe ich? Welche Wege stehen mir offen? usw.
  • Der Jugendliche sollte mit der Berufsberatung Kontakt aufnehmen und das Berufsinformationszentrum aufsuchen, um sich zu informieren
  • Der Jugendliche sollte sich beim Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft als Arbeitsuchender eintragen.

 

Einige Ansprechspartner, die dem Jugendlichen in dieser Situation helfen könnten:                                                                     

  • Studienberater der Hochschule oder Universität
  • Kaleido Ostbelgien
  • Services Psycho-Médico-Sociaux
  • Berufsorientierung des Arbeitsamts der Deutschsprachigen Gemeinschaft
  • SIEP
  • CEDIEP
  • Informationen rund um den Studienabbruch in Deutschland: http://www.studienabbrecher.com

 

Abbruch, Aufbruch, Durchbruch 

"Es braucht oft mehr Mut, seine Meinung zu ändern, als an ihr festzuhalten“ (Friedrich Hebbel).

Oder, auf die Abbrecherproblematik angewandt: Der Abbruch kann eine Chance sein, den eigenen roten Faden im Leben neu aufzunehmen und Netzwerke zu knüpfen, die neue Horizonte eröffnen. 

Der Abbruch sollte von allen Beteiligten als Chance für Gespräche und einen Aufbruch genutzt werden. Die Jugendlichen und Eltern sollten die Möglichkeit haben, das Erlebte zu verarbeiten und eine Standortbestimmung vorzunehmen. Die Beratung eines Berufsberaters kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein. 

Den Blick in die Zukunft richten und den Durchbruch anvisieren, ist für die Jugendlichen der nächste Schritt ins Erwachsenenleben. Für sie gilt nun, die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten mit den Lebensträumen in Einklang zu bringen und die Fähigkeit zu erlangen, Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen zu tragen. 

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