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Arbeitslosigkeit im Jahr 2016

In der Deutschsprachigen Gemeinschaft waren im Jahresschnitt 2016 rund 2.753 arbeitslose Arbeitsuchende (=Vollarbeitslose) gemeldet (Schnitt 2015: 2.812 Personen). Dabei handelt es sich um Personen, die ohne Beschäftigung sind, dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung stehen und aktiv eine Beschäftigung suchen. Davon erheben 75% Anspruch auf Arbeitslosengeld, die übrigen sind Personen, die (zumindest zeitweilig) keinen Anspruch auf Entschädigung haben.

 

Vollarbeitslose DG - Schnitt 2016 Männer Frauen Gesamt in %
Vollarbeitslose 1.402 1.351 2.753 100%
Geschlechteranteil in % 51% 49% 100%  
davon arbeitsuchende Anwärter auf AL-Geld 1.027 974 2.001 72,7%
Schulabgänger in Berufseingliederungszeit 125 118 243 8,8%
über ein ÖSHZ eingetragen 178 159 337 12,3%
freiwillig eingetragene Arbeitsuchende 56 91 147 5,4%

 

Die Arbeitslosenrate (Anteil der Vollarbeitslosen an der aktiven Bevölkerung, Stand 2015) in der DG belief sich auf 8,2% und ist damit leicht gesunken (Vorjahr 8,4%). Die Zahl der Arbeitslosen in der DG ist im Jahresdurchschnitt um 59 Personen zurückgegangen und somit nun zum zweiten Jahr in Folge rückläufig.

Mehr als drei Viertel der Arbeitslosen wohnen im Kanton Eupen, wo die Arbeitslosigkeit mit 10,8% weiterhin mehr als doppelt so hoch ist wie im Kanton St.Vith (4,3%). Der Rückgang der Arbeitslosigkeit 2016 war stärker im Süden der DG (St.Vith -40 Personen, Eupen -19 Personen).

Der Anteil der Frauen an den Arbeitslosen ist in den letzten 20 Jahren fast kontinuierlich gesunken (zu Erinnerung: 1995 lag der Frauenanteil bei 62%, 2005 bei 57%) und ist nun erstmals niedriger als der Männeranteil. Dies liegt v.a. daran, dass die Zahl der arbeitslosen Männer in der DG im letzten Jahrzehnt, das von mehreren Konjunktureinbrüchen geprägt war, deutlich stärker gestiegen ist als diejenige der Frauen. Insgesamt liegt der Frauenanteil an den Arbeitslosen im Landesschnitt unverändert bei 47,1% und damit nun schon seit mehreren Jahren unter der 50%-Marke. Die Arbeitslosenrate der Frauen in der DG liegt aber mit 8,7% noch etwas über derjenigen der Männer (7,7%).

Vollarbeitslose nach Kanton Männer Frauen Gesamt in %
Kanton Eupen 1.101 1.055 2.156 78%
Kanton St.Vith 301 296 597 22%
DG Gesamt 1.402 1.351 2.753 100%
  50% 50% 100%  

Aufteilung nach Altersgruppen

Die Aufgliederung der Arbeitslosen nach Altersgruppen zeigt, dass 34% der Arbeitslosen älter als 50 Jahre sind. Ein Vergleich mit dem Jahr 2001, als die Arbeitslosigkeit in der DG ihren bisherigen Tiefststand erreichte, zeigt, dass der seitdem erfolgte Anstieg der Arbeitslosigkeit ganz besonders die über 50-jährigen betrifft. Ihre Zahl hat sich innerhalb dieser 15 Jahre mehr als vervierfacht.

 

Vollarbeitslose
nach Alter
2001 2016 Entwicklung 2001-2016
Zahl Anteil in % Zahl Anteil in %
< 25 Jahre 305 21% 486 18% +59%
25 bis 30 Jahre 168 11% 314 11% +87%
30 bis40 Jahre 434 30% 528 19% +22%
40 bis 50 Jahre 377 26% 498 18% +32%
>50 Jahre 178 12% 928 34% +421%
DG Gesamt 1.462 100% 2.812 100% 88%

 

Dies ist zum einen auf die Anhebung der Altersgrenze für die Freistellung von der Arbeitsuche aus Altersgründen zurückzuführen (ab 2002 auf 58 Jahre, ab 2013 auf 60 Jahre und seit 2015 ist diese Freistellung im Prinzip ganz abgeschafft worden) und zum anderen auch auf die demografische Verschiebung innerhalb der Erwerbsbevölkerung: die Zahl der 50-64-jährigen Erwerbspersonen insgesamt (aktive Bevölkerung) in der DG ist zwischen 2003 und 2014 ebenfalls um 68% gestiegen. Der Anteil der über 50-jährigen an den Vollarbeitslosen ist seit 2001 von 12% auf 34% gestiegen, während der Anteil der Jugendlichen mit 18% leicht gesunken ist. In absoluter Zahl ist jedoch auch die Jugendarbeitslosigkeit um rund 180 Personen angestiegen.

2016 zeichnet sich allerdings eine Trendwende ab: zum ersten Mal ist ein (wenn auch noch leichter) Rückgang bei den über 50-jährigen festzustellen.  Auch bei den Jugendlichen liegen rückläufige Zahlen vor. Lediglich in den mittleren Altersgruppen (25-39 Jahre) gab es noch einen geringfügigen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.

 

Arbeitslosenrate pro Altersgruppe Männer Frauen Gesamt
< 25 Jahre  11,9% 14,6% 13,0%
25 bis 49 Jahre 7,0% 7,1% 7,1%
50 bis 64 Jahre 7,4% 9,9% 8,5%
DG Gesamt 7,7% 8,7% 8,2%

 

Betrachtet man die Arbeitslosenrate pro Altersgruppe (d.h. das Verhältnis zur aktiven Bevölkerung der jeweiligen Altersgruppe, Stand 2015), stellt man fest, dass die Jugendarbeits­losenquote mit 13,0% deutlich höher ist als in den anderen beiden Altersgruppen.  Allerdings ist sie jetzt zwei Jahre in Folge gesunken.  Längerfristig gesehen hat die stärkste Entwicklung bei den über 50-jährigen stattgefunden, wo die Arbeitslosenrate 2003 noch nur bei 3,8% gelegen hat und heute bei 8,5% liegt. Die Jugendarbeitslosenquote ist dagegen seit Jahren relativ stabil geblieben.  2016  ist die Arbeitslosenquote in allen Altersgruppen leicht zurückgegangen.

Die Arbeitslosenquoten nach Altersgruppen sind in der DG denjenigen in Flandern recht ähnlich, während in Brüssel und der Wallonie die Quoten in allen Altersgruppen, aber ganz besonders bei den Jugendlichen, bedeutend höher sind.

Gut 34% der Arbeitslosen waren im Schnitt weniger als 6 Monate arbeitslos und zählen damit zu den  Kurzzeitarbeitslosen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (über 1 Jahr arbeitslos) ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 2% gesunken.  Allerdings ist darunter die Zahl der Personen, die seit mehr als 5 Jahren arbeitslos sind, weiter gestiegen und mit 436 Personen so hoch wie nie zuvor. Anzahl und Anteil der Langzeitarbeitslosen (49%) liegen weiterhin deutlich höher als diejenigen der Kurzzeitarbeitslosen. Zum Vergleich: im Jahr 2001 war die Verteilung umgekehrt, d.h. 46% Kurzzeitarbeitslose und 37% Langzeitarbeitslose.

Die Struktur der Arbeitslosigkeit in der DG bleibt weiterhin insgesamt vergleichbar mit derjenigen in Flandern. So beträgt der Anteil der Personen, die weniger als 6 Monate lang arbeitslos sind, in Flandern 35%, in Wallonien hingegen nur 29%. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen (mindestens 1 Jahr lang arbeitslos) beläuft sich in der DG auf 49%, in Flandern auf 48% und in der Wallonie auf 55%.

Vollarbeitslose nach Dauer der Arbeitslosigkeit Männer Frauen Gesamt in %
< 6 Monate 475 473 948 34,4%
6 bis 12 Monate 239 210 449 16,3%
1 bis 2 Jahre 233 203 436 15,9%
2 bis 5 Jahre 243 241 484 17,6%
> 5 Jahre 211 225 436 15,8%
DG Gesamt 1.402 1.351 2.753 100%

 

Aufteilung nach Qualifikation

Der Anteil der unterqualifizierten Arbeitslosen (d.h. Personen, die höchstens über einen Primarschul­abschluss oder die Mittlere Reife bzw. die 2. Stufe des Sekundarschulunterrichtes verfügen) beläuft sich in der DG auf rund 44%, im Vergleich zu 45% in Flandern und 46% in der Wallonie. Ihr Anteil an den Arbeitslosen ist in den letzten Jahren relativ stabil geblieben. Allerdings sind in der DG noch etwa 7% der Arbeitslosen in der Kategorie der sonstigen bzw. im Ausland erworbene Ausbildungen eingeordnet, die in der Wallonie und Flandern vernachlässigbar klein ist.  Hierunter - meist handelt es sich um (Teil-) Ausbildungen im Sekundarschulbereich – dürfte ebenfalls noch ein gewisser Anteil an Unterqualifizierten zu finden sein.                                  

Seit 2009 zählen mehr Personen mit Abiturabschluss zu den Arbeitslosen als Personen, die lediglich über einen Primarschulabschluss verfügen. Dies dürfte ein Ausdruck des allgemein angestiegenen (formalen) Bildungsniveaus in der Bevölkerung sein.  Die Zahl der Arbeitslosen mit Abiturabschluss ist die Gruppe, die am stärksten angewachsen ist (um 43% seit dem Jahr 2008).

Vollarbeitslose nach Ausbildung Männer Frauen Gesamt in %
Primarschule 332 208 540 19,6%
Sekundschule Unterstufe 324 342 667 24,2%
Lehre 157 103 260 9,5%
Sekundarschule Oberstufe 331 419 750 27,2%
Hochschule / Universität 149 191 341 12,4%
Sonstige Ausbildungen / Ausland 107 88 195 7,1%
Gesamt 1.402 1.351 2.753 100%

Bei den Berufsvorstellungen der Vollarbeitslosen stehen an erster Stelle die Arbeiter/Hilfsarbeiter (20%), Büroangestellte (15%) und Verkaufsberufe (13%), gefolgt von den Horeca- und Reinigungsberufen (9%) sowie mit 5% die Gesundheits- und Pflegeberufe.       

Hier treten deutliche Unterschiede nach Geschlecht zutage: Bei den Männern sind 31% der Arbeitslosen mit Berufswunsch „Arbeiter/Hilfsarbeiter“ eingetragen und jeweils rund 8% als Büroangestellte, Fahrer, Bauberufen oder in metallverarbeitenden Berufen.  Bei den Frauen stehen an erster Stellen (jeweils mit 21%) die Büroberufe und Verkäuferinnen, gefolgt von den Horeca- und Reinigungsberufen (14%). Danach folgen die Gesundheits- und Pflegeberufe (10%) und Arbeiterin/Hilfsarbeiterin (9%).

Entwicklung

Nachdem die Arbeitslosigkeit 2001 ihren bisherigen Tiefststand in der DG erreicht hatte (1.462 Arbeitslose und eine Arbeitslosenquote von 4,8% im Jahresdurchschnitt), kletterte die Zahl der Arbeitslosen in der DG im Anschluss daran bis August 2006 auf fast 3.000 Personen. Im Zuge des konjunkturellen Aufschwungs in den Jahren 2007 und 2008 sank die Zahl der Arbeitslosen wiederum um jeweils rund 4% in beiden Jahren.

 

Arbeitslose Männer Frauen Gesamt Vgl. zu 1990 Vgl. zum Vorjahr
1990 562 1.286 1.849 0%  
1995 768 1.270 2.038 +10,3%  
2000 578 911 1.489 -19,5%  
2005 1.022 1.332 2.354 +27,3%  
2008 1.083 1.330 2.413 +30,6% -4,3%
2009 1.293 1.350 2.644 +43,0% +9,5%
2010 1.329 1.399 2.728 +47,5% +3,2%
2011 1.279 1.406 2.678 +44,9% -1,9%
2012 1.333 1.414 2.747 +48,6% +2,6%
2013 1.424 1.452 2.876 +55,5% +4,7%
2014 1.463 1.504 2.967 +60,5% +3,2%
2015 1.407 1.405 2.812 +52,1% -5,2%
2016 1.402 1.351 2.753 +48,9% -2,1%

 

Ab September 2008 kehrte sich die Tendenz jedoch im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise wieder um: die Arbeitslosenzahlen stiegen an und erreichten im Schnitt 2014 - nach einer vorübergehenden leichten Erholung im Jahr 2011 – einen neuen Höchststand.  Seitdem ist glücklicherweise wieder ein Rückgang der Arbeitslosigkeit festzustellen.  Infolgedessen sinkt die Arbeitslosenrate von 8,8% im Jahr 2014 wieder auf 8,2% im Jahr 2016.

Betrachtet man die Arbeitslosenzahl des Jahres 2008 als „Vor-Krisenniveau“, so liegt die Arbeitslosigkeit in der DG heute 14% höher als damals, in Brüssel 6% und in Flandern sogar 33% höher. Lediglich die Wallonie liegt mit einem Minus von -6% unter dem – allerdings hohen - Niveau wie vor der Krise.

 

 

In der Wallonie und Brüssel ist die Arbeitslosenzahl 2016 mit jeweils -5,0% bzw. -5,2% im Vergleich zu 2015 stärker gesunken als in der DG (-2,1%).  In Flandern ist sie ebenfalls etwas stärker gesunken (-3,5%).  Im landesweiten Durchschnitt liegt ein Rückgang um -4,4% vor. 

Die Arbeitslosenrate in der DG ist im Schnitt 2016 weiterhin höher als in Flandern (7,5%), bleibt aber auch deutlich unter dem Niveau der Wallonie (ohne DG 14,8%) und der Region Brüssel-Hauptstadt (20,1%).

Dokumente und Downloads
Arbeitslosenzahlen in der DG 2016 (pdf 0,05 MB)
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Weitere Links
DGstat - das Statistikportal der Deutschsprachigen Gemeinschaft
Le Forem - Dienst für Ausbildung und Beschäftigung der Wallonischen Region
VDAB - Flämischer Dienst für Vermittlung und Ausbildung
Actiris - Dienst der Region Brüssel für Arbeitsvermittlung
LFA - Föderales Arbeitslosenamt in Belgien


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