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Tätigkeitsbericht 2016 des Arbeitsamtes

Der Tätigkeitsbericht zeigt zum einen die Arbeitsmarktentwicklung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf, zum anderen vermittelt er einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Aktivitäten des Arbeitsamtes.

Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit zum 2. Mal in Folge leicht gesunken

Im Jahr 2016 ist die Zahl der Arbeitslosen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zum zweiten Mal in Folge leicht gesunken (-2,1%) und belief sich im Jahresdurchschnitt auf 2.753 Personen. Dies bedeutet einen Rückgang um 59 Personen im Jahresschnitt. Die Arbeitslosenquote sank von 8,4% im Vorjahr auf 8,2% im Schnitt 2016. Damit war die positive Entwicklung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zwar nicht ganz so gut wie in der Wallonie (-5,0%) oder in Flandern (-3,5%), aber der Trend setzt sich auch 2017 – verstärkt – weiter fort.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit betraf fast ausschließlich die Frauen, so dass ihr Anteil an den Arbeitslosen nun zum ersten Mal in der Deutschsprachigen Gemeinschaft unter der 50%-Marke liegt. Die Arbeitslosenrate der Frauen ist mit 8,7% allerdings weiterhin etwas höher als die Arbeitslosenrate der Männer (7,7%). Nach wie vor ist die Arbeitslosenquote im Süden der Gemeinschaft mit 4,3% weniger als halb so hoch wie im Norden der DG (10,8%).          

Die allgemeine demografische Entwicklung ist auch in der Struktur der Arbeitslosigkeit zu erkennen: ein Drittel der Arbeitslosen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist inzwischen älter als 50 Jahre. Der Anstieg bei den älteren Arbeitslosen ist zudem durch verschiedene gesetzliche Änderungen verstärkt worden: Anhebung der Altersgrenze für eine Freistellung von der Arbeitsuche von 58 auf 60 Jahre im Jahr 2013, Ausdehnung der prinzipiellen Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt bis 65 Jahre ab 2016.  Damit einher geht ein weiterer Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit über 2 Jahre hinaus, da gerade die älteren Arbeitslosen weiterhin große Gefahr laufen, langfristig in Arbeitslosigkeit zu verbleiben. Erstmals jedoch ist 2016 ein – wenn auch nur geringfügiger  - Rückgang bei den über 50-jährigen Arbeitslosen zu verzeichnen.

Der Stellenmarkt hat sich 2016 sehr positiv entwickelt, und das nachdem schon in den Vorjahren deutliche Steigerungen stattgefunden haben. Die Zahl der dem Arbeitsamt gemeldeten offenen Stellen ist mit 1.327 nochmals deutlich gestiegen (+21% im Vergleich zum Vorjahr). Lässt man die ABM-Stellen außen vor, so ist die Zahl der Stellen aus dem normalen Wirtschaftskreis im Vergleich zum Vorjahr sogar um 25% gestiegen.

Betreuung der Arbeitsuchenden

Eine der wichtigsten Aufgaben des Arbeitsamtes ist Betreuung der Arbeitsuchenden, die zumeist durch die Vereinbarung eines individuellen Aktionsplans konkretisiert wird. 2016 waren insgesamt rund 5.414 Personen zu betreuen, wovon 2.461 Neuzugänge waren.  Dies ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, obwohl die Betreuung 2016 erstmals ausgedehnt wurde auf die Gruppe der 55-59-jährigen Arbeitslosen.

Der Erfolg der Betreuung misst sich daran, dass 65% der seit 2004 beendeten Begleitverträge aufgrund von Arbeitsaufnahmen beendet werden konnten. Nach einem Rückgang dieser Quote in den beiden letzten Jahren ist sie 2016 glücklicherweise wieder auf 67% gestiegen, auch dies womöglich ein Hinweis auf die bessere konjunkturelle Lage.

Neben dieser allgemeinen Betreuung liegt ein besonderes Augenmerk auf spezialisierte Betreuungs­angebote für arbeitsmarktfernere Zielgruppen, etwa die über die ÖSHZ eingetragenen Personen oder Personen mit psychischen, medizinischen und/oder sozialen Problemen, die eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt kurzfristig unmöglich machen. Hier allerdings stoßen die BeraterInnen des Arbeitsamtes oft an ihre Grenzen, da die passenden Antworten auf die Problemlagen meist nicht auf der Hand liegen. Möglicherweise werden hier über ein 2016 angestoßenes Pilotprojekt in Kelmis („Vermittlung wie aus einer Hand“) neue Lösungswege aufgetan.

Neu ins Arbeitsamt integriert wurden 2016 die Lokalen Beschäftigungsagenturen (LBA), deren Personal zum Arbeitsamt hinzugestoßen ist.  Auch wenn die Dienstleistung als solche wie vorher weitergeführt wurde, galt es doch eine Vielzahl von organisatorischen und administrativen Herausforderungen zu meistern und die geplante Strukturreform vorzubereiten.

Berufliche Ausbildungen

Das Ausbildungsangebot des Arbeitsamtes, d.h. die Berufsbildungszentren für Büroberufe, für das Baufach und für Reinigungstechniken, wurde im Jahr 2016 von knapp 300 Teilnehmer/innen (Arbeitslose und Beschäftigte) in Anspruch genommen. Bei den qualifizierenden Ausbildungen externer Träger (FOREM-Ausbildungen, Sprachkurse, Abitur im zweiten Bildungsweg, Familien- und Pflegehelfer, Krankenpflege, …) waren rund 550 Teilnehmer zu verzeichnen. Weitere 200 zumeist schwer vermittelbare Personen wurden im Rahmen von Integrations­- und Vorschaltmaßnahmen betreut, mit dem Ziel, sie sozial zu stabilisieren und wieder näher an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Über die Maßnahme „Individuelle Berufsausbildung im Unternehmen“ (IBU) konnten fas 140 Personen unternehmensnah ausgebildet und zumeist auch auf dem Arbeitsmarkt integriert werden.

Berufsorientierung

Der Fachbereich der Berufsberatung und -orientierung investiert zunehmend in internetbasierte Dienstleistungen, doch auch die klassische Beratung hat nach wie vor eine große Bedeutung und konnte im Bereich der psychologischen Beratung verstärkt werden. Auch im Bereich Bewerbung und Coaching konnten neue Angebote entwickelt werden. Vor allem jedoch ist hier die Thematik der Freistellungen von Arbeitslosen für Ausbildungen 2016 aufgrund der Kompetenzübertragungen neu hinzugekommen und es galt diese Dienstleistung neu aufzubauen.

Kontrolle des Suchverhaltens

Eine weitere Herausforderung für das Arbeitsamt stellte die Übernahme und Umsetzung der Zuständigkeit für die Kontrolle des Suchverhaltens und Sanktionierung der Arbeitslosen dar. Auch hier galt es einen neuen Dienst aufzubauen, interne Arbeitsprozeduren in Form von Richtlinien zu schaffen, Bewertungskriterien und Sanktionen festzulegen, Datenströme zu programmieren, Infor-mationsmaterial zu erstellen usw. Dabei handelt es sich hier natürlich um einen sensiblen Bereich, da das Arbeitsamt neben der „beratenden Rolle“ nunmehr auch eine „strafende Rolle“ bekam. Die Integration dieser Aufgabe in das Arbeitsamt war sowohl mit Chancen als auch mit Risiken verbunden. Die Praxis scheint aber bislang zu zeigen, dass der eingeschlagene Weg der Richtige ist, auch wenn weitere Verbesserungen natürlich nicht ausgeschlossen sind…

Dokumente und Downloads
Tätigkeitsbericht ADG 2016 (pdf 4,45 MB)
Tätigkeitsbericht des Arbeitsamtes der Deutschsprachigen Gemeinschaft des Jahres 2016
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VDAB - Flämischer Dienst für Vermittlung und Ausbildung
Actiris - Dienst der Region Brüssel für Arbeitsvermittlung
LFA - Föderales Arbeitslosenamt in Belgien


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