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Die Beschäftigung in Ostbelgien

Die Deutschsprachige Gemeinschaft zählt derzeit 22.422 Arbeitnehmer/innen (30.6.2016) und 4.243 hauptberuflich Selbständige und Freiberufler (31.12.2016). Zusammen bilden diese die Gruppe der Erwerbstätigen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (wobei allerdings Mehrfachtätigkeiten möglich sind). Aufgrund der Grenzlage zwischen Deutschland, Luxemburg und dem französischsprachigen Teil Belgiens spielen jedoch auch die Pendlerbewegungen für die Deutschsprachige Gemeinschaft eine große Rolle. So beläuft sich allein die Zahl der Auspendler nach Deutschland und Luxemburg auf rund 7.000 Personen, während Einpendler vornehmlich aus dem belgischen Binnenland kommen.

In Folge der Wirtschaftskrise hat die Beschäftigungssituation in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 2009 und auch 2011 etwas stärker gelitten als in der Wallonie oder Flandern. Durch ein deutliches Wachstum in den Jahren 2015 und 2016 liegt die Beschäftigung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft allerdings seit 2016 wieder über dem Stand von 2008 (vor der Wirtschaftskrise), während sie in den anderen Regionen dieses Niveau schon seit längerem wieder erreicht hatte. Dennoch liegt die Beschäftigungsrate in der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit 61,3% noch etwas unter dem belgischen Durchschnitt (61,6%).

Die Arbeitslosenrate lag mit 8,2% im Jahresdurchschnitt 2016 über der flämischen Arbeitslosenrate (7,5%), aber nach wie vor deutlich unter der wallonischen (14,7%).  Im Vergleich zu 2015 ist die Arbeitslosigkeit in der Deutschsprachigen Gemeinschaft um 2,1% gesunken. Damit war der Rückgang in der Deutschsprachigen Gemeinschaft etwas geringer als im Landesdurchschnitt, wo ein Rückgang um 4,4% vorlag. 

In der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind vorwiegend kleine mittelständische Betriebe angesiedelt. 85% der privaten Arbeitgeber beschäftigen jeweils weniger als 10 Arbeitnehmer und weniger als 1% der Betriebe beschäftigt mehr als 100 Personen.

Der Primärsektor ist gekennzeichnet durch einen deutlichen Rückgang der Anzahl selbständiger Landwirte und hat dadurch stark an Bedeutung eingebüßt. Die Zahl der Arbeitnehmer im Sekundärbereich (Industrie und Baugewerbe) kennt immer wieder Schwankungen, liegt 2016 aber wieder über dem Stand vor der Krise. Noch rund 29% der Erwerbstätigen sind in diesen Wirtschaftszweigen zu finden. Der Dienstleistungsbereich ist auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zum größten Arbeitgeber geworden und umfasst mittlerweile, nach einem bedeutenden Anstieg in den 90er Jahren und einem verlangsamten Wachstum nach 2001, 70% der Gesamtbeschäftigung.

Mit dieser Entwicklung einher geht auch ein zunehmender Anteil von Frauen an der Beschäftigung. Seit 1990 ist die Zahl der Arbeitnehmerinnen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft um 54% gestiegen, während die Zahl der männlichen Arbeitnehmer in etwa gleich geblieben ist. Diese Entwicklung bei den Männern ist zum Teil auch auf den Rückgang der Arbeiterzahl (im Gegensatz zur Zahl der Angestellten) zwischen 2001 und 2006 sowie in den Jahren 2009 sowie 2012-2013 zurückzuführen. 47% der abhängigen Arbeitsplätze in der Deutschsprachigen Gemeinschaft entfallen auf weibliche Beschäftigte, von denen allerdings ein Großteil (rund 68%) teilzeitbeschäftigt ist.

Wie viele andere Regionen Westeuropas ist auch die Deutschsprachige Gemeinschaft von einer zunehmenden Alterung der Erwerbsbevölkerung betroffen: mittlerweile sind 31% der Arbeitnehmer älter als 50 Jahre, und bei den Selbständigen beträgt ihr Anteil sogar 52%.